Ein Beitrag von Madeleine Serlath | Foto-Credits © Erik Karits | Pixabay

Biodiversität in Gefahr: Warum Artenvielfalt auch für Anleger:innen relevant ist

Der Verlust der biologischen Vielfalt zählt zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Laut dem Weltbiodiversitätsrat IPBES sind rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Doch Biodiversitätsverlust bedeutet weit mehr als das Verschwinden einzelner Arten: Er gefährdet ganze Ökosysteme und damit auch die wirtschaftlichen Grundlagen unseres Lebens.

Natur als Fundament der Wirtschaft

Intakte Ökosysteme liefern sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung von Nutzpflanzen, Rohstoffe und Schutz vor Naturkatastrophen. Diese Leistungen der Natur werden häufig als „Naturkapital“ bezeichnet. Gemeinsam mit Sach- und Humankapital bilden sie die Basis wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Die Bedeutung dieses Naturkapitals ist enorm: Schätzungen zufolge hängt rund die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemen ab. Geht Biodiversität verloren, entstehen daher nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Risiken.

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© Eveline de Bruin | Pixabay

Warum Biodiversität ein Finanzthema ist

Unternehmen sind auf natürliche Ressourcen angewiesen. Sei es in der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion, der Forstwirtschaft oder vielen industriellen Lieferketten. Werden Ökosysteme geschädigt, können Lieferengpässe, steigende Kosten oder regulatorische Anforderungen die Geschäftstätigkeit beeinträchtigen.

Für Investor:innen bedeutet das: Biodiversitätsverlust kann sich auf Unternehmensbewertungen, Geschäftsmodelle und langfristige Renditen auswirken. Deshalb gewinnt das Thema auch im Finanzsektor zunehmend an Bedeutung. Banken, Versicherungen und Investor:innen beschäftigen sich verstärkt mit der Frage, wie naturbezogene Risiken erkannt und gemanagt werden können.

Unternehmen stehen zunehmend in der Verantwortung

Um ihre Auswirkungen auf die Biodiversität besser zu verstehen und zu reduzieren, nutzen Unternehmen heute verschiedene Monitoring- und Reporting-Standards. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen. Auch auf internationaler Ebene wächst der Druck: Die Vereinten Nationen haben Biodiversität unter anderem in den Nachhaltigkeitszielen SDG 14 („Leben unter Wasser“) und SDG 15 („Leben an Land“) verankert.

Fortschritte bei der Entwaldung, aber das Tempo reicht noch nicht

Ein Blick auf die weltweiten Waldflächen zeigt die Dimension der Herausforderung. Zwischen 2000 und 2020 gingen rund 100 Millionen Hektar Wald verloren. Hauptursache war die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, die für den Großteil der Entwaldung verantwortlich ist.

Positiv ist, dass sich die jährliche Entwaldungsrate zuletzt verlangsamt hat. Einzelne Länder konnten bemerkenswerte Fortschritte erzielen: Indonesien reduzierte die Entwaldung deutlich, und auch Brasilien verzeichnete zuletzt einen starken Rückgang der Waldverluste im Amazonasgebiet.

Diese Entwicklungen zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Gleichzeitig reichen die bisherigen Fortschritte noch nicht aus, um die globalen Biodiversitätsziele bis 2030 zu erreichen.

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Was bedeutet das für nachhaltige Geldanlagen?

Für nachhaltigkeitsorientierte Anleger:innen wird Biodiversität zunehmend zu einem wichtigen Bewertungskriterium. Neben Klimaschutz rückt die Frage stärker in den Fokus, wie Unternehmen mit natürlichen Ressourcen umgehen, welche Auswirkungen ihre Lieferketten haben und welche Maßnahmen sie zum Schutz von Ökosystemen setzen.

Wer nachhaltig investiert, kann daher nicht nur auf CO₂-Emissionen achten, sondern auch darauf, wie Unternehmen mit Biodiversitätsrisiken umgehen. Denn langfristig erfolgreiche Wirtschaftssysteme sind auf eine intakte Natur angewiesen.

Fazit

Biodiversität ist weit mehr als ein Umweltthema. Sie beeinflusst wirtschaftliche Stabilität, Unternehmensrisiken und damit auch die Finanzmärkte. Der Schutz der Artenvielfalt wird deshalb zunehmend zu einem wichtigen Faktor für nachhaltige Investments und zu einer zentralen Voraussetzung für eine zukunftsfähige Wirtschaft.

Hilfreiche Quellen zum Vertiefen

WWF (2024) Living Planet Report 2024 – A System in Peril. WWF, Gland, Switzerland.

Verlust der Biodiversität gefährdet Finanzmarktstabilität - Gemeinsame Medienmitteilung, PwC Schweiz und WWF Schweiz

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Über Madeleine Serlath

Madeleine ist überzeugt, dass unser Geld eine große Wirkung hat – deshalb verbindet sie, wann immer möglich, die Themen Geld und Nachhaltigkeit. Mit viel Leidenschaft arbeitet sie daran, für mehr grüne Finanzbildung zu sorgen und so den Kapitalmarkt insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Dabei unterstützt sie nicht nur unser CLEANVEST-Team mit vollem Einsatz, sondern teilt auch auf ihrem Blog „Geld Kopf Bauch“ und ihren Social-Media-Kanälen wertvolle Tipps rund ums nachhaltige Investieren. Ihr Ziel: mehr Menschen ermutigen, ihre finanzielle Unabhängigkeit selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn der Laptop zugeklappt ist, findest du Madeleine meistens draußen in der Natur, unterwegs mit ihrem Dachzelt, beim Werkeln im Gemüsegarten oder in der Küche, wo sie aus Resten leckere Gerichte zaubert.