Das nachhaltige Finanzlexikon

Nachhaltig am Finanzmarkt zu investieren hört sich für viele zwar sehr verlockend an, wirft aber meistens viele Fragen auf und kann sogar für Verwirrung sorgen. Um dem entgegenzuwirken und etwas Aufklärungsarbeit zu leisten haben wir im Laufe des Sommers regelmäßig auf Facebook und Linkedin Beiträge veröffentlicht, um Einblicke in die Welt des nachhaltigen Investierens und unserer Arbeit als Nachhaltigkeitsanalysten zu bieten. Dieser Blogeintrag ist eine Sammlung aller Posts zu dem Thema und soll Einsteigern, sowie Investmentprofis helfen, sich im nachhaltigen Finanzendschungel zurechtzufinden.

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1. Eintrag: Ausschlusskriterien


In bestimmte Industriesektoren oder Geschäftsmodelle darf nicht investiert werden.

Laut dem FNG (Forum für Nachhaltige Geldanlagen) Marktbericht verfolgen 98% aller nachhaltigen Fonds und Mandate eine Ausschlussstrategie. Die Top drei Ausschlusskriterien 2019 waren Waffen und Rüstung, Kohle sowie Kernenergie.

Auch auf CLEANVEST könnt ihr diese Ausschlusskriterien für euer Investment anwenden.
Mit den Kriterien „Frei von Öl & Gas“, „Frei von Kinderarbeit“, „Artenschutz“ und „Indigene Rechte“ könnt ihr zusätzlich viele weitere Kriterien in eure Entscheidung einbeziehen.

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2.Eintrag: Best-In-Class



Bei diesem Investitionsansatz werden Unternehmen nach ihren Leistungen in den Bereichen „Umwelt“, „Soziales“ und „guter Unternehmensführung („Governance“)“ bewertet. Die Unternehmen, die hierbei besonders gut abschneiden, bleiben investierbar, auch wenn sie sich manchmal in kritischen Branchen befinden.

Laut dem FNG Markbericht wenden 77% aller nachhaltigen Fonds und Mandate in Österreich einen Best-In Class Ansatz an. CLEANVEST nutzt diese Methode nicht. So werden dir zum Beispiel bei der Filtereinstellung „strikt“ bei dem Kriterium „Frei von Öl & Gas“ nur Fonds angezeigt, die komplett frei sind von Unternehmen in den Bereichen der Öl & Gas-Förderung, -Verstromung und -Infrastruktur.
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3.Eintrag: ESG Integration


Explizite Einbeziehung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien bzw. -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse, da Nachhaltigkeitsaspekte eine direkte Auswirkung auf den Unternehmenserfolg und somit das Investment haben.

Laut FNG Markbericht betreiben 42% aller nachhaltigen Fonds und Mandate in Österreich ESG Integration in ihren Anlagestrategien. Die größte Problematik von diesem Ansatz ist, dass es keine branchenweiten Standards dafür gibt und es dadurch zahlreiche Ansätze für die ESG Integration gibt. Durch ein EU-weites Klassifikationssystem für nachhaltige Investitionen will die EU in Zukunft hier mehr Klarheit schaffen.
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4.Eintrag: Impact Investing


Investitionen in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die zusätzlich zu finanziellen Erträgen auch sozialen und/oder ökologischen Mehrwert liefern (z.B. Mikrofinanz, Community Investing, etc.).

Laut dem neuen FNG Marktbericht betreiben nur 5% aller Fonds und Mandate in Österreich mit Nachhaltigen Anlagestrategien Impact Investment, das entspricht aber noch immer 1,42 Mrd. Euro. Europaweit beliefen sich die Impact Investments im Jahr 2017 auf ca. 100 Mrd. Euro.

Auf www.impactdatabase.eu könnt ihr euch ein gutes Bild zum dem Thema in Europa machen!

Auch über CLEANVEST könnt ihr einen Impact mit euren Investments haben. Verwendet die Kriterien „Grüne Technologien“ und „Bildung und Gesundheit“, um Unternehmen zu finanzieren, die einen positiven Beitrag auf Umwelt und Gesellschaft leisten!

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5.Eintrag: Engagement


Dialog von Investoren mit den Unternehmen, in die sie investieren. Ziel dabei ist, die Unternehmensführung zur Umsetzung ökologischer, sozialer und ethischer Programme zu bewegen und das Unternehmen insgesamt nachhaltiger zu machen. Das kann durch Stimmrechtsausübung oder Aktionärsanträge bei Hauptversammlungen passieren, oder durch direkten Kontakt zur Geschäftsführung des jeweiligen Unternehmens.

Laut FNG (Forum für Nachhaltige Geldanlagen) Bericht 2020 betreiben mehr als die Hälfte (54%) aller nachhaltigen Fonds und Mandate Engagement. Ergebnisse aus verschiedenen Studien zeigen, dass Engagement einen starken Einfluss auf Unternehmen hat, wenn ein Viertel bis zu einem Drittel der Aktien in Händen von nachhaltigen Investor*Innen ist (Pinner, 2019). Daher sind wir von CLEANVEST der Meinung, dass Engagement ein wichtiges Tool auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem ist. Mit einem erfolgreichen Engagement können Investoren einen direkten und messbaren positiven Impact erzielen und win-win Situationen für alle beteiligten Stakeholder schaffen.
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6.Eintrag: Voting oder Stimmrechtsausübung


Die Ausübung des Aktionärsrecht bei der Hauptversammlung bei verschiedenen Beschlüssen mitzustimmen. In Bezug auf Nachhaltigkeit kann es sich dabei um verschiedene Maßnahmen handeln, die das Unternehmen in den Bereichen E (environmental), S (social) oder G (governance) setzen will. Auf der anderen Seite kann auch gegen Pläne des Unternehmens gestimmt werden, die sich negativ auf Umwelt oder Gesellschaft auswirken könnten.

41% aller Nachhaltigen Fonds und Mandaten in Österreich betreiben, laut FNG Bericht 2020 Stimmrechtsausübung. Stimmrechtsausübung ist oft Teil der Engagement-Strategie und kann einen gewichtigen Impact auf das Unternehmen haben, wenn ein Großinvestor seine Stimmen (deren Anzahl oftmals an die Anzahl der gehaltenen Aktien gebunden ist) einsetzt oder wenn sich mehrere Investoren zusammenschließen, um für oder gegen eine geplante Maßnahme des Unternehmens zu stimmen.
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7.Eintrag: Divestment oder Desinvestition


Im Nachhaltigkeitskontext bedeutet Divestment, dass ein Investor Wertpapiere eines bestimmten Unternehmens oder mehrerer Unternehmen mit ähnlicher Geschäftstätigkeit abstößt, weil diese Investments nicht seinen internen Nachhaltigkeitsvorgaben entsprechen. Oftmals werden kontroversielle Branchen, wie Tabak oder Waffen von einem Investment ausgeschlossen. In der Klimabewegung wird von vielen Stakeholdern auf ein Divestment von Kohle, Öl und Gas gesetzt.

Laut Fossil Free gibt es zum jetzigen Zeitpunkt Bekenntnisse in der Höhe von 14,61 Billionen USD von Investoren auf der ganzen Welt aus fossilen Energieträgern auszusteigen.
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8.Eintrag: Zertifizierungen


Um Transparenz für die Konsumentin zu schaffen, gibt es auch auf dem Finanzmarkt Zertifikate für nachhaltige Produkte. Diese sind von Land zu Land unterschiedlich, allerdings wird momentan auch auf EU Ebene an einem Ecolabel für nachhaltige Finanzprodukte gearbeitet. In Österreich werden die Vorsorgekassen von der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) geprüft (https://www.oegut.at/de/projekte/investment/nh-pruefung-mvk.php), außerdem gibt es das Österreichische Umweltzeichen für Finanzprodukte, das Nachhaltigkeitsfonds und ausgewählte Girokonten mit Hilfe eines umfassenden Kriterienkatalogs prüft (https://www.umweltzeichen.at/de/produkte/finanzprodukte).

Zum Stand 29.07.2020 verfügen 141 Fonds und 3 Konten über das Österreichische Umweltzeichen (eine Liste steht auf der Homepage zum Download zur Verfügung). Leider machen nachhaltige Fonds und Mandate nach wie vor nur einen kleinen Teil des Österreichischen Gesamtmarktes aus (15,9% laut FNG Bericht 2020), hier sehen wir von CLEANVEST auf jeden Fall noch viel Potenzial nach oben und haben es uns als zur Aufgabe gemacht auch für die nicht-zertifizierten Fonds Nachhaltigkeitsdaten für Investor*Innen zur Verfügung zu stellen.
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Quellen


https://fng-marktbericht.org/

https://gofossilfree.org/divestment/commitments/

Wolfgang Pinner, 2019: Nachhaltiges Investieren-Konkrete Themen und ihre Bewertung