"We are not part of nature but nature is part of us, that's why we need to protect and take care of it through our way of thinking and acting!"

-Taita Milo, authority of Colombian Center South native people Yanakona, part of CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca), guardian of the Laguna Magdalena, traditionally considered the "uterus of the earth"

Wer zählt zu Indigenen Völkern

Es wird geschätzt, dass es weltweit 370 Millionen Menschen gibt, die sich selbst zu Indigenen Völkern zählen – das sind fast 5% der Weltbevölkerung. In mehr als 5000 verschiedenen Gruppen leben diese Menschen in allen Gebieten der Erde und in enger Verbindung zu ihrer natürlichen Umwelt. Von den Inuit und Saami im hohen Norden bis zu den Maori in Neuseeland sprechen Indigene über 4000 verschiedene Sprachen und schützen durch die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Lebensräume 80% der Artenvielfalt des Planeten.

Die UN versteht unter Indigenen, Menschen, die u.a.:

  • Sich selbst als Indigene identifizieren und von ihren Gemeinschaften als solche anerkannt werden
  • In Gemeinschaften leben, die auf prä-koloniale und/oder vor-sesshafte Gesellschaften zurückgehen
  • Eine starke Beziehung zu ihrem Territorium und ihrer natürlichen Umwelt haben
  • In individuellen sozialen, ökonomischen und politischen Systemen leben
  • Individuelle Sprachen, Kulturen und Glaubenssysteme besitzen
  • Minderheiten in ihren nationalen Gesellschaften sind
  • Sich dazu entschlossen haben ursprüngliche Lebensräume und Systeme des Zusammenlebens als abgeschlossene Gruppe oder Gemeinschaft aufrechtzuerhalten
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Picture Copyright: Roberto Maccariello / CLEANVEST

"The foreign empires(*) want to take all we have, which are natural resources! That is why they are making war to our population. That's why we need to be united."

- Abuela Augustina, authority of Colombian South Western native peoples Misak and traditional obstetrician

(*) im heutigen Kontext sind "foreign empires" oftmals internationale Konzerne, die in den Gebieten Indigener operieren

Die Rechte Indigener

Dadurch, dass sich die Lebensweise und die Interessen der Indigenen deutlich von jener der Nationalstaaten unterscheidet, in denen sich ihre Gebiete befinden, ist es wichtig diesen Menschen, zusätzlich zum Katalog der Menschenrechte, auch weitere Rechte einzuräumen, die ihre Lebensweisen schützen. Dies geschah im Jahr 2007 mit der United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples. Die Deklaration schreibt unter vielen anderen Punkten zum Beispiel fest:

  • Die Kultur von Indigenen darf nicht unter Zwang von der dominanten Gesellschaftsform assimiliert werden (wie das in den „residential schools“1 2 Kanada, den USA, Australien und Neuseeland bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert geschehen ist, was heute als kultureller Genozid bezeichnet werden kann)
  • Indigene dürfen nicht unter Zwang umgesiedelt werden – nur unter der Voraussetzung von vorangehender, freier und informierter Zustimmung und fairer Kompensation.
  • Indigene haben das Recht auf die Gebiete und natürlichen Ressourcen, die sie besitzen und bewohnen und auf die traditionelle Nutzung dieser Ressourcen
  • Indigene haben das Recht darauf, dass ihre Gebiete geschützt werden, um weiterhin die Existenzgrundlage für ihre Lebensweise zu gewähren
  • Keine gefährlichen oder schädlichen Materialien dürfen ohne Zustimmung in den Gebieten der Indigenen deponiert werden

Indigene und Unternehmen

Der IFC Performance Standard 7 ist ein Leitfaden für Unternehmen deren Operationen Einfluss auf Indigenen Völker und deren Lebensraum haben.

Alle Unternehmen, die in ihren Operationen in Kontakt mit Indigenen kommen, sollten sich an diesen Standard halten. Hier gilt: die Rechte Indigener müssen über Profitinteressen stehen. UN und IFC haben hierfür wichtige Grundlagen geschaffen, trotzdem kommt es nach wie vor zu Zusammenstößen und Interessenskonflikten, die in manchen Fällen leider gewaltsam verlaufen.

Indigene Völker und ihre Lebensräume stehen noch immer vielerorts unter Druck. Nationalstaatliche Interessen gepaart mit jenen internationaler Konzerne führen zu Ausbeutung und Zerstörung Indigener Ressourcen und Lebensräume. Proteste der Indigenen gegen solche Projekte werden gewaltsam niedergeschlagen, ganze Dörfer zwangsweise umgesiedelt und Indigene AktivistInnen ermordet. 3 4

Internationale Konzerne, die in vielen Fonds vorkommen, sind zum Teil in die gewaltsame Ausbeutung Indigener Völker verwickelt. Deswegen haben wir uns entschlossen auf CLEANVEST das neue Kriterium „Indigene Rechte“ einzuführen. Damit wird es möglich die eigenen Fonds auch auf Verstöße gegen die Rechte Indigener Völker zu prüfen!

Quellen:

United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples; United Nations, 2007

State of the World’s Indigenous Peoples; 4th Edition; United Nations, 2019

Indigenous Peoples, Indigenous Voices – Factsheet; United Nations

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