Wie transparente Lieferketten mit sozial gerechten Investmentprodukten zusammenhängen


Blogbeitrag anlässlich des Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 11.06.2021

Zu den grundlegenden Arbeitsrechten gehört laut der Internationalen Arbeitsorganisation „Abschaffung der Kinderarbeit“. Leider wird noch immer in Unternehmen mit Kinderarbeitsvorfällen entlang ihrer Produktions- und Lieferkette investiert. Mit der EU-Taxonomie und einem Lieferkettengesetz können hier positive Veränderungen in der Wirtschaft und der Finanzbranche angestoßen werden.

Das Fundament: ILO - Grundrechte für Arbeit

Vor über 100 Jahren wurde die International Labour Organisation (kurz ILO) mit dem Gedanken „Frieden durch soziale Gerechtigkeit“ gegründet. Über die Jahre hat sich einiges getan, unter anderem wurden global gültige Grundrechte für Arbeit festgelegt. Dazu zählen:

  • Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Die Beseitigung aller Formen der Zwangs- oder Pflichtarbeit
  • Die wirksame Abschaffung der Kinderarbeit
  • Die Beseitigung der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf

Diese Prinzipien dienen als eine wichtige Grundlage und sind somit auch ein Bestandteil der EU- Taxonomie, eine Art Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten, das ökologisch und sozial gerechte Investments fördern soll. Es soll heute und auch in der Zukunft wichtige Veränderungen bringen, wie nachhaltige Finanzprodukte gekennzeichnet werden und wie Unternehmen über ihre Tätigkeiten berichten müssen. Transparenz schaffen ist einer der wichtigsten Schlagworte der EU-Taxonomie.

Ein Problem: Investments in Kinderarbeit

Fehlende Transparenz ist leider noch immer weit verbreitet im Fondsmarkt. Laut einer aktuellen CLEANVEST-Analyse sind 85% der beinahe 4.000 Fonds auf CLEANVEST in Unternehmen investiert, die in Vorfälle von Kinderarbeit involviert sind und damit gegen die Grundrechte für Arbeit verstoßen.

Zu den Branchen, in die investiert wird und wo laut CLEANVEST-Hintergrundrecherchen die meisten Kinderarbeitsvorfälle vorkommen, zählen: Die Elektronikherstellung, die Lebensmittelproduktion, sowie die Kosmetik- & Haushaltsproduktherstellung. Das liegt vor allem an den Lieferketten. In den Minen für den Abbau von Kobalt für elektrische Geräte sowie auf den Plantagen von Palmöl und Kakao arbeiten Kinder unter desaströsen Bedingungen. Für die Auswertung wurden weltweit zahlreiche Quellen von Medien, internationale Organisationen und NGOs herangezogen.

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Eine Lösung: Transparente Lieferketten = Sozial gerechtere Investments

Reinhard Heiserer, Geschäftsführer des CLEANVEST-Partners Jugend Eine Welt, dazu: „Jugend Eine Welt fordert ein umfassendes Lieferkettengesetz, um Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, faire Produkte rund um die Welt herzustellen, nur solche zu importieren und anzubieten.“

Das sogenannte Lieferkettengesetz wird derzeit in mehreren Ländern Europas diskutiert. Händler und Verkäufer sollen dadurch haftbar gemacht werden, wenn in ihren Lieferketten Menschenrechte oder Umweltstandards missachtet werden – egal in welchem Land. Auf EU-Ebene wird in diesem Rahmen derzeit an einem Gesetzesvorschlag für die Sorgfaltspflicht von Unternehmen und ihrer Wertschöpfungskette gearbeitet. Zu dieser Wertschöpfungskette sollen Betriebsabläufe, direkte oder indirekte Geschäftsbeziehungen und Investitionsketten zählen. Einschätzungen zufolge wird es hier bis 2022 dauern bis daraus ein europäisch gültiges Lieferkettengesetz beschlossen wird.

Auf nationaler Ebene gibt es aber schon einige Umsetzungen eines solchen Gesetzes. So müssen deutsche Unternehmen mit 3.000 Beschäftigten ab 2023 unter anderem ihre menschenrechtlichen Risiken analysieren und über ihre Aktivitäten berichten. Frankreich hat schon seit 2017 ein Gesetz zur Sorgfaltspflicht für französische Unternehmen und in den Niederlanden gibt es bereits seit 2019 ein Gesetz gegen Kinderarbeit, das es ermöglicht gegen Unternehmen Beschwerde einzulegen und Sanktionen zu erwirken.

Mehr Transparenz in der Unternehmensberichterstattung und Sanktionsmöglichkeiten führen zu mehr Öffentlichkeit und das kann in weiterer Folge auch die Kapitalströme in Richtung einer sozial- und umweltgerechteren Welt umlenken.

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Hier können nicht nur Großinvestor*innen etwas bewirken, sondern auch Privatinvestor*innen können hier mit ihrem Geld einen wertvollen Beitrag leisten. Mit jeder Investmententscheidung ohne Kinderarbeit oder anderen menschenrechtlichen Verstößen kann ein Schritt in Richtung einer menschenwürdigen Gesellschaft gesetzt werden.

Jede*r einzelne hat es in der Hand, Kinderarbeit zu stoppen. Jede*r kann sein Geld so anlegen, dass Kinderarbeit unterbunden wird. - Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt